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Neuorientierung

Für Menschen mit co-abhängigen Rollenverhalten, die in gestörten Systemen oder im Umfeld von Abhängigen leben oder arbeiten, ist der Weg der Neuorientierung, genauso wie für Abhängige, ein umfassender Prozess der Veränderung. Da müssen Überzeugungen überprüft, eventuell sogar über Bord geworfen, altes Rollenverhalten abgelegt und neues Rollenverhalten erlernt sowie in die Tat umgesetzt werden.

Lange Zeit können unbewusste Ängste diesen Weg der Neuorientierung teilweise behindern, je nachdem sogar blockieren. Zum Beispiel kann behindernd und blockieren wirkden die Angst vor Verlust der Anerkennung, vor dem eigenen Versagen, vor Vorwürfen oder davor, den geliebten Menschen zu verlieren, die ganze Schlacht zu verlieren, als 'un-wert' entdeckt zu werden, oder zugeben zu müssen, dass man einem Scheinbild nachgejagt ist, nicht geliebt zu werden, nicht genug getan zu haben, vorzeitig aufgegeben zu haben, oder dass man an den Pranger gestellt wird.

Aussteigen aus co-abhängigem Rollenverhalten bzw. gestörten Systemen und/oder ungesunden Beziehungen bedeutet, einen Systemwechsel vollziehen zu müssen:
Was heisst, dass ein Wechsel von einem dysfunktionalen zu einem intakten, lebendigem Leben vollzogen werden muss. Um Klarheit zu gewinnen, müssen das eigene Leben, Einstellungen, Werte, Überzeugungen, das eigene Verhalten, Denken und Tun von Grund auf, und Schritt für Schritt, überdacht und gewandelt werden.
Auch müssen Rollen bewusst wahrgenommen und gewählt werden, diesen entsprechendes Rollenverhalten trainiert, sowie das eigene Leben mit neuen Inhalten gefüllt und aufgebaut werden. Sich aus co-abhängigem Rollenverhalten lösen bedeutet daher einen Systemwechsel vollziehen.

Während eines solchen Systemwechsels geht es darum, sich von Aussenstehenden (Beratern, Therapeuten, wichtigen Bezugspersonen) dabei so lange begleiten zu lassen, bis neue, gesunde Handlungsweisen und Alltagsabläufe eingespielt und stabilisiert werden konnten.

Während einem solchen begleiteten Systemwechsels haben Menschen mit co-abhängigem Rollenverhalten jedoch viele Chancen: so beispielsweise sich mit folgenden Aspekten, Themen und Bereichen zu befassen:

  • Mut zur Veränderung schöpfen
  • Ziele formulieren
  • Lösungen erarbeiten
  • Gesunde Grenzen entwickeln
  • Nein sagen lernen
  • Bewusstsein für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse haben
  • Für das Wohl des eigenen Körpers (Ernährung, Pflege, Entspannung) sorgen
  • Werte und Lebenssinnfragen klären
  • Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Wertschätzung stärken
  • Den Glauben an eigene Fähigkeiten aufbauen
  • Gefühle wie Trauer und Schmerz zulassen und verarbeiten
  • Sich schwierigen, unangenehmen Situationen stellen
  • Gesprächs- und Konfliktfähigkeit ausbauen
  • Verständnis für den eigenen Hintergrund, die Vorfahren und Angehörigen bekommen

Einen Systemwechsel - vom Prozess der Abhängigkeit-Co-Abhängigkeit zu einem intakten und gesunden Leben - zu vollziehen, ist eine grosse Herausforderung. Es braucht deshalb Zeit und Geduld mit sich selber bis die ersten Früchte eines derartigen Systemwechsels, einer Neuorientierung geerntet werden können. Die Qualität der Früchte - Lebensqualität, Freude, innere Gelassenheit, Ruhe, Frieden, Autonomie, Selbstverantwortung, Vertrauen - ist jedoch hoch und verstärkt die eigene Lebenskraft derart, dass es keine Frage mehr ist, ob frau oder man einen Systemwechsel aktiv angehen will oder nicht.
Jedoch stellt sich die Frage nun: Heute, morgen, übermorgen, nächsten Monat, in einem Jahr oder …?

Quelle: Sylvia C. Trächslin, Hand- und Arbeitsheft Abhängigkeit-Co-Abhängigkeit

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